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Regierungsprogramm

Für gute Bildung für unsere Kinder sorgen

Bildung ist entscheidend. Die Teilhabe aller an Bildung ist daher ein wichtiges Ziel unserer Politik. Denn alle Kinder und Jugendlichen sollen – unabhängig von Herkunft  und Einkommen der Eltern – gute Startchancen haben. Bereits in Krippe und Kita werden Grundlagen gelegt.

Wir wollen Aufstieg durch Bildung ermöglichen und Chancengleichheit im Bildungssystem verwirklichen. Hamburg soll eine Stadt der Chancen für Kinder, Jugendliche und Familien sein. Darum investiert Hamburg in frühkindliche Bildung und unterhält ein flächendeckendes Angebot an Krippen und Kitas. Darum findet sich an fast allen Grundschulen und weiterführenden Schulen ein Ganztagsangebot, darum kann man in Hamburg an jeder weiterführenden Regelschule, also am Gymnasium oder der Stadtteilschule, das Abitur machen.

Mit demselben Ziel hat Hamburg eine Jugendberufsagentur etabliert, in der alle Bundes- und Landesbehörden sich um den Übergang der Schulabgängerinnen und Schulabgänger in eine berufliche Qualifikation kümmern.

Bildung ist in Hamburg gebührenfrei: Die Gebühren für die Halbtagsbetreuung in Krippen und Kitas wurden ganz abgeschafft, in den Schulen werden die Lernmittel (Bücher) kostenlos zur Verfügung gestellt und an den Universitäten keine Studiengebühren erhoben. Wir sind überzeugt: Die Herkunft darf kein Hemmschuh sein. Die internationalen Vorbereitungsklassen leisten hierbei eine hervorragende und in Deutschland beispielhafte Arbeit zur Integration von Flüchtlingskindern.

Kita-Ausbau fortführen

Wir machen Hamburg zur kinderfreundlichsten Stadt in Deutschland. Wir haben die erhöhten Kita-Gebühren des Vorgängersenats zurückgenommen und ein Kita-Sofortpaket auf den Weg gebracht. Die fünfstündige Grundbetreuung in Kitas und Kindertagespflege ist jetzt in Hamburg beitragsfrei. Hamburgs Eltern müssen diese finanzielle Last nicht mehr tragen.

Mit dem Programm Kita-Plus haben wir die Betreuungsqualität in 280 Kitas in sozial benachteiligten Stadtteilen um 24 Prozent verbessert, ebenso die Sprachförderung an Kitas. Mit dem Programm „Guter Start für Hamburgs Kinder“ unterstützen Babylotsen und die Familienteams junge Familien. Wir setzen die erfolgreichen Programme z.B. mit Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie Eltern-Kind-Zentren fort. Daneben sehen wir die Notwendigkeit, dass Eltern mit besonderen Arbeitszeiten (Einzelhandel, Ärzte, Pflegeberufe, Gastronomie) besondere Bedürfnisse an die Öffnungszeiten einer Kita haben. Wir werden dafür sorgen, dass zielgruppenorientierte Kitas entstehen, in denen in akzeptabler Entfernung zum Wohnort eine Unterbringung während der Arbeitszeiten gewährleistet wird. Auch die Möglichkeit der Übernachtung in Kitas sollte mit einbezogen werden.

Nach dem quantitativen Ausbau und der weitgehenden Beitragsfreiheit werden wir nun zunächst in den Krippen die Betreuungsqualität steigern und gemeinsam mit den Kita-Trägern den Personalschlüssel (Erziehungspersonal) Schritt für Schritt verbessern. In der Krippe soll eine Erzieherin oder ein Erzieher maximal vier Kinder betreuen, im Elementarbereich maximal zehn Kinder. Das ist eine große Kraftanstrengung, die wir in den kommenden zehn Jahren Schritt für Schritt gemeinsam mit den Kita-Trägern angehen werden. Mit einer 10prozentigen Verbesserung bei den Kleinsten werden wir schon zum 1. April 2015 starten, in 2017 wird der Personalschlüssel (Erziehungspersonal) bei allen Krippenkindern um 10 Prozent verbessert und ab dem Kitajahr 2019/2020 soll – eine entsprechende Bundesunterstützung vorausgesetzt – der 1:4-Personalschlüssel überall in der Krippe Realität werden. Nachdem Hamburg beim Kitaplatzausbau und bei der weitgehenden Beitragsfreiheit schon bundesweit Spitze ist, sind diese Qualitätsverbesserungen ein weiterer großer Schritt nach vorne für die frühkindliche Bildung in unserer Stadt.

Diese Verbesserungen, die wir mit den Kita-Trägern und Verbänden vereinbart haben, gelingen am schnellsten und nachhaltigsten, wenn das von den Unionsparteien im Bund eingeführte Betreuungsgeld abgeschafft wird und die dann frei werdende eine Milliarde Euro den Ländern, z. B. für einen besseren Erzieher-Kind‐Schlüssel im Krippen- und Elementarbereich, bundesweit zur Verfügung gestellt wird. Deswegen halten wir an unserer Verfassungsklage gegen das unsinnige Betreuungsgeld fest. Das Geld ist bei der frühkindlichen Bildung in Krippen und Kitas am besten aufgehoben.

 Gut ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher sind die Garanten für eine gute frühkindliche  Bildung. Deshalb erweitern wir die Ausbildungskapazitäten. Wir sorgen für ein gutes Arbeitsumfeld und wir werden alles dafür tun, dass mehr Männer die Erzieherausbildung wahrnehmen. In den letzten Jahren sind 3.500 neue Arbeitsplätze in Krippen und Kitas entstanden.

Gute Schulen

Gute Schulen brauchen engagierte Lehrerinnen und Lehrer. Deshalb haben wir den Schulen seit 2011 über 1.400 (+10  Prozent) zusätzliche Lehrkräfte und Pädagoginnen sowie Pädagogen für kleinere Klassen, Ganztagsangebote, bessere Förderangebote und mehr Schulqualität zugewiesen. Hamburgs Schulen haben jetzt so viele Lehrerinnen und Lehrer wie noch nie zuvor, die Grundschulklassen waren noch nie so klein. Darüber hinaus wurde an allen Schulen ein kostenloses Nachhilfeangebot eingerichtet. Über 20.000 Schülerinnen und Schüler profitieren davon. Für 23 Schulen mit vielen Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernen Familien wurde ein Unterstützungsprogramm gestartet. Und für bessere Ganztagsangebote in 124 Grundschulen werden jährlich zusätzlich rund 70 Millionen Euro eingesetzt.

Wir werden für Instandhaltung, Sanierung und Erweiterung der allgemeinbildenden Schulen bis 2019 rund zwei Milliarden Euro einsetzen. Bis 2019 sollen alle Ganztagsschulen mit insgesamt 170 Kantinen ausgestattet werden. Mehr als 1.600 Klassen- und Unterrichtsräume werden gebaut. Außerdem sollen Sport- und Gemeinschaftsflächen der Schulen modernisiert und dem Bedarf angepasst werden.

Bessere Schul- und Unterrichtsqualität

Wir wollen alle Schülerinnen und Schüler bestmöglich fördern. Deshalb werden wir die Zahl der Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher reduzieren, die Qualität der Schulabschlüsse und die Qualität von Unterricht und Schule verbessern. Wir werden den Unterrichtsausfall bekämpfen. Der Unterrichtsausfall wird in jeder Schule genau erfasst und Eltern sowie Schülerinnen und Schülern dargestellt. Alle Schulen sollen Vertretungskonzepte entwickeln, um den Unterricht im Krankheitsfall nahtlos weiterzuführen. Wir wollen Schulschwänzen energisch bekämpfen. Daher sollen Fehlzeiten genau überprüft und auf hohe Fehlzeiten konsequent reagiert werden; das schließt Gerichtsverfahren ein.

Um die Qualität der Schulen und des Unterrichts zu verbessern, wird die Leistung der Schülerinnen und Schüler alle zwei Schuljahre mit hamburgweiten Tests überprüft. Die Ergebnisse werden zusammen mit Schülervertreterinnen und Schülervertretern, Eltern und Expertinnen und Experten erörtert. Gemeinsam werden Verbesserungsmaßnahmen für den Unterricht eingeleitet. Bei der Hausaufgabenregelung wollen wir Überlastungen vermeiden.

Wir wollen zentrale Abschlussprüfungen auf Bundesniveau. Alle Abschlussprüfungen werden als zentrale Prüfungen organisiert. Die Aufgaben werden Schritt für Schritt den Abschlussprüfungen der anderen Bundesländer angeglichen.

Wir starten eine Offensive für bessere Rechtschreibung. Sie umfasst einen verbindlichen Basiswortschatz, Rechtschreibtests sowie Schulungen der Lehrkräfte für besseren Rechtschreibunterricht.

Wir wollen an allen Schulen Konzepte zur Begabtenförderung entwickeln und umsetzen, die unter anderem zusätzliche Lernangebote für begabte Schülerinnen und Schüler umfassen. An den weiterführenden Schulen soll diese Aufgabe dauerhaft im Kollegium verankert werden.

Wir wollen die Schülerinnen und Schüler auf die digitale Zukunft vorbereiten. Deshalb wollen wir Schritt für Schritt die Nutzung von Computern, Laptops oder Tablets in einer sicheren und datenschutzkonformen Infrastruktur im Unterricht ermöglichen und die vielfältigen Lernmöglichkeiten digitaler Medien stärker im Schulalltag nutzen. Darüber hinaus werden wir den  Rahmenplan für das Schulfach Informatik so gestalten, dass alle Schülerinnen und Schüler in Zukunft verlässlich Informatik‐Kenntnisse erlernen. Das schließt die Unterrichtung gängiger Programmiersprachen an weiterführenden Schulen mit ein.

Wir wollen die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer weiterentwickeln. Dazu sollen die Studiengänge für die Lehrämter besser auf die neue Schulstruktur ausgerichtet und die Pädagogikausbildung gestärkt werden. Darüber hinaus soll die Ausbildung auf die neuen Herausforderungen, insbesondere auf Inklusion, Ganztag und die größere Bedeutung der Fachlichkeit und Fachdidaktik, zugeschnitten werden.

Wir werden Qualitätsziele für Schulen einführen. Dazu zählen auch aussagekräftige, für Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer verständliche Lehrpläne mit klaren Kompetenzzielen und Unterrichtsinhalten.

Bessere Ganztagsangebote

Wir haben den Wunsch vieler Familien nach mehr Ganztagsangeboten ernst genommen und in nur drei Jahren über 180 Schulen zu Ganztagsschulen entwickelt – das sind mehr als in den letzten 30 Jahren davor. Heute liegt Hamburg mit seinem Ganztagsschulangebot in Deutschland ganz vorne: 98  Prozent aller Hamburger Schulen sind Ganztagsschulen.

Allein für Grundschülerinnen und Grundschüler wurden so über 22.000 zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen. Eltern und Kinder finden das gut: In der Grundschule melden sich 75  Prozent der Kinder am Ganztag an. Das Angebot ist kostenlos und umfasst Hausaufgabenhilfe, Bildungs-, Spiel- und Freizeitangebote.

Nach dem Ausbauprogramm geht es künftig darum, die Qualität Schritt für Schritt zu steigern. An jeder Schule soll ein schuleigenes Qualitätsmanagement für den Ganztag eingeführt werden. Einmal im Jahr sollen Expertinnen und Experten alle Ganztagsschulen besuchen und gemeinsam mit den Schulen Verbesserungsvorschläge erörtern. Auf regelmäßigen Veranstaltungen sollen Ideen und Beispiele ausgetauscht werden. Ziel ist es, Vor- und Nachmittagsangebote besser zu verbinden, Hausaufgabenhilfe und nachmittägliche Bildungs- und Förderangebote zu verbessern, die Aufenthaltsqualität der Schulräume durch besseres Mobiliar und neue Reinigungskonzepte zu steigern sowie Ruhezonen und Möglichkeiten zum freien Spiel auszubauen und die Qualität der Schulverpflegung ständig zu verbessern. Für den Aus- und Umbau von Schulgebäuden und Kantinen werden rund 500 Millionen Euro aufgewandt.

Stadtteilschulen stärken

Die Stadtteilschule wurde als neue Schulform fest etabliert. Die Hälfte aller zusätzlichen Lehrkräfte wurde den Stadtteilschulen zugewiesen, um kleinere Klassen und besseren Unterricht sicherzustellen. Die Zahl der Ganztags-Stadtteilschulen wurde von 28 auf 59 mehr als verdoppelt. Damit leistungsstarke Schülerinnen und Schüler an jeder Stadtteilschule das Abitur machen können, wurde die Zahl der Oberstufenangebote an den Stadtteilschulen von 22 auf 47 verdoppelt.

Alle Stadtteilschulen sollen zu Ganztagsschulen entwickelt werden. Diese Ganztagsschulen sollen besseres Lernen und erweiterte Lernangebote ermöglichen.

Um den Fachunterricht zu verbessern, wollen wir an allen Stadtteilschulen die Zahl der Gymnasiallehrkräfte auf rund 50  Prozent anheben. Wir wollen das Kollegium jeder Stadtteilschule durch eine vernünftige Zusammensetzung aus Gymnasial-, Haupt- und Realschul-, Berufsschul- und Sonderschullehrkräften sowie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen auf seine vielfältigen Aufgaben vorbereiten.

Wir wollen, dass die Jugendlichen sicher in Ausbildung und Beruf kommen. Die Stadtteilschule stellt zusammen mit den Berufsschulen und den Jugendberufsagenturen verlässlich sicher, dass alle Jugendlichen, die kein Abitur machen, in eine Berufsausbildung geleitet werden. Dazu wird die Berufsorientierung als eigenes Schulfach fester Bestandteil des Unterrichts der Stadtteilschule.

Wir werden den Fachunterricht in den Schulen verbessern. In der Mittelstufe wird der Fachunterricht in Biologie, Chemie und Physik wieder eingeführt. Der Unterricht in Deutsch, Mathematik und Englisch wird auf mindestens je vier Wochenstunden angehoben. In den Naturwissenschaften und Kernfächern sollen künftig deutlich mehr Fachlehrerinnen und Fachlehrer unterrichten. Zur Vorbereitung auf die Berufsausbildung werden mathematische Grundkenntnisse (Prozentrechnung, Dreisatz, etc.) sorgfältiger eingeübt.

Wir werden im Rahmen eines umfangreichen Bauprogramms nicht nur Schulen sanieren, sondern ein Viertel aller Stadtteilschulen komplett erneuern.

Gymnasien

Mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler werden auf den Gymnasien angemeldet. Unsere Gymnasien sind bei den Eltern und Kindern beliebt und erfolgreich. Nach dem Beginn der siebten Klassen werden die Schülerinnen und Schüler bis zum mittleren Schulabschluss auf dieser Schule bleiben. Wir sorgen dafür, dass sie einen guten Schulerfolg haben.

Wir setzen weiter auf ein hohes Leistungsniveau auf dem Gymnasium. Wir wollen den Schulalltag so organisieren, dass alle Kinder konstant und konzentriert lernen können. Deshalb werden wir mit klaren Regelungen zu Klausuren, Stundenplan und Hausaufgaben ein gleichmäßiges, konzentriertes Lernen ermöglichen.

Wir haben in den letzten vier Jahren die Ganztagsangebote an allen Gymnasien deutlich ausgebaut. Kinder bis 14 Jahre können bis 16 Uhr in der Schule bleiben und dort Hausaufgaben machen oder sich an Freizeit- und Bildungsangeboten beteiligen. Darüber hinaus werden wir auf Wunsch der Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter der Schule das Ganztagsangebot qualitativ Schritt für Schritt ausbauen.

Inklusion an Schulen weiter verbessern

Wir haben Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen oder sonderpädagogischem Förderbedarf durch die Möglichkeit zum Besuch allgemeiner Schulen neue Chancen auf einen Schulabschluss eröffnet. Deshalb haben wir Grund- und Stadtteilschulen mit rund 300 zusätzlichen Pädagoginnen und Pädagogen gestärkt und dafür gesorgt, dass mittlerweile rund 800 Sonderschullehrkräfte an Grund- und Stadtteilschulen im Einsatz sind.

Um stark verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern einen Neuanfang zu ermöglichen, werden wir kleinste Lerngruppen außerhalb des Klassenverbandes einrichten, in denen sie gut betreut, vorübergehend beschult, und auf die Rückkehr in den Klassenverband vorbereitet werden.

Wir werden eine große Zahl von Schulbegleitern künftig direkt den Schulen zuweisen. Dort können sie flexibel eingesetzt werden und mehr Schülerinnen und Schülern helfen. So entlasten wir zugleich viele Eltern. Sie müssen nicht mehr wie bisher selbst Schulbegleitungen suchen.

Um Kinder besser zu fördern und Unterstützungsmaßnahmen zielgenauer einzusetzen, wollen wir die Diagnostik der Kinder verbessern. Dadurch können wir auch den Stadtteilschulen künftig passgenauer zusätzliche Lehrkräfte zur Verbesserung der Inklusion zuweisen.

Zur Unterstützung der Inklusion in den Schulen soll künftig ein Expertenteam alle Schulen besuchen und Schulleitungen sowie Kollegien bei der Umsetzung der Inklusion beraten.

Auch in den beruflichen Schulen haben wir die Inklusion durch ein Förderprogramm voran gebracht. Auf diesem Wege werden wir weitermachen.

Übergang Schule und Beruf

Der Übergang von der Schule in den Beruf ist entscheidend für den Lebensweg junger Menschen. Um den Übergang zu verbessern, haben wir entscheidende Reformen auf den Weg gebracht.

Schülerinnen und Schüler der Stadtteilschule werden bereits während ihrer Schulzeit im Rahmen der neuen Berufs- und Studienorientierung gezielt auf den Übergang in Beruf und Studium vorbereitet. Wer nach der Schule keinen Ausbildungsplatz hat, wird im Rahmen neuer Übergangsmaßnahmen der berufsbildenden Schulen schneller als bisher in ein Ausbildungsverhältnis übergeleitet: Die Übergangsmaßnahmen kombinieren schulisches Lernen und praktisches Lernen im Betrieb und erleichtern damit vielen den Übergang.

Das entscheidende Scharnier zwischen Schule und Beruf ist die neue Jugendberufsagentur. Fachleute aus der Bundesagentur für Arbeit, team.arbeit.hamburg, beruflichen Schulen und Bezirksämtern arbeiten in den sieben Bezirksstellen der Jugendberufsagentur unter einem Dach zusammen. Sie beraten und begleiten alle Schulabgängerinnen und Schulabgänger auf dem Weg in die Berufsausbildung und gewährleisten in Zusammenarbeit mit den Schulen, dass alle Jugendlichen nach der Schule eine berufliche Perspektive bekommen und niemand verloren geht. Erstmals wissen jetzt alle Lehrkräfte, welche Schülerinnen und Schüler nach dem Ende der Schulzeit eine Ausbildung beginnen und welche noch auf der Suche sind. Alle Schulabgängerinnen und Schulabgänger werden gezielt angesprochen, alle sollen in eine Ausbildung oder Anschlussmaßnahme vermittelt werden – im Zweifelsfall so lange, bis es klappt. Damit ist Hamburg das erste Land in Deutschland, das junge Leute flächendeckend auf dem Weg in Ausbildung und Arbeit begleitet.

Mit der Jugendberufsagentur haben wir die Berufsperspektive von jährlich rund 5.000 Schulabgängern der Stadtteilschulen und Förderschulen erheblich verbessert. Immer mehr dieser Schulabgängerinnen und Schulabgängern gelingt es,  einen Ausbildungsvertrag abzuschließen; betrieblich, außerbetrieblich, im Rahmen der Berufsqualifizierung im Hamburger Ausbildungsmodell oder an der Berufsfachschule. So wurde der Anteil der Schulabgänger, die direkt nach der Schule eine Ausbildung beginnen konnten, in nur zwei Jahren erheblich gesteigert. Die noch schulpflichtigen Schulabgängerinnen und Schulabgänger, die keine Anschlussperspektive finden, nehmen an Übergangsmaßnahmen wie beispielsweise der reformierten dualisierten Ausbildungsvorbereitung (AV-Dual) teil. Die Jugendlichen arbeiten hier drei Tage im Betrieb und lernen zwei Tage in berufsbildenden Schulen mit dem Ziel, in eine Berufsausbildung zu wechseln. Mit diesen Übergangsmaßnahmen der berufsbildenden Schulen konnten weitere Schulabgängerinnen und Schulabgänger im zweiten Anlauf ein Jahr später in Ausbildung oder Beruf vermittelt werden.

Wir wollen, dass alle Ausbildungsstellen besetzt werden und keine Ausbildungsstelle unbesetzt bleibt. Um dieses Ziel zu erreichen, werden wir mit Handelskammer, Handwerkskammer und Arbeitsverwaltung eng zusammen arbeiten. Wir setzen auf die Nachvermittlung von ausbildungssuchenden Jugendlichen.

Wir haben erreicht, dass die Agentur für Arbeit zusätzlich in den jeweiligen Agenturen vor Ort dauerhaft vier Vermittler einsetzt, die sich nur um die Vermittlung der Jugendlichen kümmern. Das Vermittlungsverfahren wird optimiert. Die Arbeitgeber erhalten entsprechend ihrer Anforderungen konkrete Ausbildungssuchende vorgeschlagen. Damit erhöhen wir die Chance, dass ausbildungssuchende Jugendliche und Unternehmen schneller und unkomplizierter zusammen gebracht werden.

Azubiwohnheim

Wir schaffen Wohnungsmöglichkeiten für Auszubildende. Die Frage der Schaffung eines bezahlbaren Wohnraumangebots für Auszubildende spielt im Rahmen der Fachkräftestrategie und der Wohnungspolitik des Senats eine herausragende Rolle.

Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben in der Regel nicht die Möglichkeiten und Ressourcen, ein eigenes Wohnangebot für potenzielle Auszubildende bereitzustellen. Deshalb schaffen wir Wohnheime für Auszubildende.

Wir haben mit einer Förderrichtlinie für den Neubau von Wohnraum für Studierende und Auszubildende privatwirtschaftliche Investitionen mobilisiert. Gemeinsam mit der Handelskammer Hamburg hat der Senat eine gemeinsame Finanzierung im Rahmen eines Azubi-Fonds beschlossen, aus dem die pädagogische Begleitung der Auszubildenden finanziert werden soll.

Berufliche Bildung

Die berufliche Bildung in Hamburg besteht seit 150 Jahren. Sie ist Teil der wirtschaftlich erfolgreichen Entwicklung Hamburgs. Die duale Berufsausbildung in Deutschland ist ein Standortvorteil im Wettbewerb mit anderen Volkswirtschaften.

Gerade im Zeitalter des Fachkräftemangels ist die berufliche Bildung auch die richtige Antwort. Wer eine Berufsausbildung abgeschlossen hat, ist vor Arbeitslosigkeit besser geschützt.

Wir haben es ermöglicht, dass mit der dualen Berufsausbildung eine Vielzahl an Wegen offen steht. Auszubildende mit einem guten Schulabschluss können im Zusatzunterricht an den Hamburger Berufsschulen die Fachhochschulreife nachholen. 

Die neue Berufsoberschule bietet die Chance, nach einer Berufsausbildung in verschiedenen Richtungen das Abitur zu erlangen.

Die berufsbildenden Schulen werden wir weiterentwickeln. Wir haben die Schulen neu aufgeteilt, Berufsfelder zusammen geführt und die Schulen sinnvoll dimensioniert. Bis 2027 werden mehr als 700 Millionen Euro in die Sanierung und den Neubau der berufsbildenden Schulen investiert.

Hochschulstudium

Hamburg ist einer der größten Hochschulstandorte in Deutschland. In Hamburg gibt es 19 staatliche und staatlich anerkannte Hochschulen. Die Bürgerinnen und Bürger Hamburgs wenden pro Kopf mit Abstand mehr Steuergeld für Hochschulen auf als in anderen Ländern.

Wir werden die Hochschulen durch erhebliche Investitionen stärken. Die Budgets der staatlichen Hamburger Hochschulen, des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und der Staats- und Universitätsbibliothek sind deutlich erhöht worden. Sie steigen jedes Jahr kontinuierlich. Die Hochschulen und die Staats- und Universitätsbibliothek erhalten im Jahr 2015 rund 642 Millionen Euro und im Jahr 2016 rund 647 Millionen Euro. Damit erfüllen wir die für den Zeitraum bis 2020 geschlossenen Hochschulvereinbarungen, schaffen Verlässlichkeit und langfristige Planungssicherheit.

Die wachsende Studiennachfrage auf der einen sowie die Akademisierung und Internationalisierung der Arbeitswelt auf der anderen Seite unterstreichen, dass ein erfolgreiches Hochschulstudium den jungen Leuten den Weg in den von ihnen angestrebten Beruf ebnet. Und es vermittelt den Unternehmen die Fachkräfte, die sie brauchen. Wir sorgen dafür, dass sich die Hamburger Hochschulen dieser Aufgabe weiter stellen. Sie gewährleisten ein hohes Qualifikationsniveau ihrer Absolventinnen und Absolventen.

Ein erfolgreiches Hochschulstudium darf nicht am Geld scheitern. Deshalb haben wir die Studiengebühren abgeschafft und wir unterstützen die Studierenden durch die Sanierung und den Neubau von Wohnraum für Studierende.

Bund und Länder haben auf die anhaltend hohe Studiennachfrage reagiert und die Finanzierung zusätzlicher Studienplätze in einem Hochschulpakt vereinbart. Wir werden sicherstellen, dass das Studienplatzangebot der öffentlichen Hochschulen an die sich fortlaufend ändernde Arbeitskräftenachfrage von Wirtschaft, Kultur, Forschung und Verwaltung angepasst wird. Dazu wird ein Fachkräfte-Monitoring aufgebaut, das den Bedarf aufzeigt.

Eine sinnvolle Ausgestaltung der Studiengänge im Bachelor-Master-System sowie eine Qualitätssicherung der Lehre sind für ein erfolgreiches Studium unerlässlich. Die Reform des Bachelor-Master-Systems werden wir weiter vorantreiben. Qualität und Stellenwert der Lehre sind weiter zu verbessern. Die Masterkapazitäten sind so zu berechnen, dass für weiterstudierwillige Bachelor-Absolventen eine entsprechende Anzahl an Master-Studienplätzen vorgehalten wird.

Die Lehre hat an den deutschen Hochschulen noch nicht den Stellenwert wie die mit zum Teil hohem Drittmittelaufkommen und Preisen verbundene Forschung. Die Verbesserung der Qualität von Bildung und Ausbildung der Studierenden muss für unsere Hochschulen eine hohe Priorität haben. Das Profil der Hamburger Hochschulen wird nicht nur von den Forschungsleistungen, sondern auch von der Exzellenz in der Lehre abhängen.

Duales Hochschulstudium

Wir wollen allen die Möglichkeiten eines dualen Studiums eröffnen. Die Verknüpfung von Studium und praktischer Ausbildung im Unternehmen ist ein erfolgreiches Modell. Wir haben das mit dem neuen Hochschulgesetz zur Pflichtaufgabe der Hochschule für Angewandte Wissenschaften gemacht und die Möglichkeit geschaffen, das auch an den anderen staatlichen Hochschulen umzusetzen.

Studieren ohne Abitur

Viele Jugendliche entscheiden sich dafür, die Schule vor dem Abitur zu verlassen, um einen Beruf zu erlernen und darin auch den Meister zu machen. Sie wollen meist später studieren – auch ohne Abitur. Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten unterstützen das. Auch wer nicht an einer Schule das Abitur erwirbt, soll später studieren können. Wir haben daher in Hamburg Studienplätze für solche Fachkräfte geschaffen. Und wir haben sichergestellt, dass erworbene berufliche Qualifikationen als Studienleistungen angerechnet werden können.

Digitalisierung der Hochschulen

Digitalisierung verändert zunehmend und weltweit die Wissensgesellschaften des 21. Jahrhunderts. Wir messen daher der Entwicklung digitaler Lehrangebote an Hochschulen eine hohe Bedeutung bei. Die Hochschulen müssen sich angesichts eines deutlichen Trends zur Digitalisierung von Lehrangeboten strategisch positionieren und die damit verbundenen Potenziale zur Verbesserung der Lehre und für einen breiteren Bildungszugang nutzen. Die Novelle des Hamburgischen Hochschulrechts berücksichtigt die wachsende Bedeutung der digitalen Lehre. Hamburg soll hier eine Vorreiterrolle in Deutschland spielen.

Digitale Medien müssen an der Hochschule genauso selbstverständlich sein wie bewährte herkömmliche Lehr- und Lernmittel. Dazu gehört der Einsatz der klassischen E-Learning-Formate ebenso wie die Bereitschaft der Hochschulen, digitale Lehrangebote einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, z.B. in Form sog. MOOCs („Massive Open Online Courses“). Wir werden die digitale Sicherung und Aufarbeitung von Buchbeständen und Hamburgischem Kulturgut  vorantreiben.

Wir unterstützen die staatlichen Hamburger Hochschulen bei ihrem Vorhaben, ein umfassendes und nicht nur deutschlandweit vorbildliches Konzept digitalen Lehrens und Lernens zu entwickeln. Das wird nicht nur die Studienbedingungen in Hamburg verbessern, sondern auch Zugangsschwellen zu Hochschul-Angeboten weiter senken. Damit machen sich die Hamburger Hochschulen engagiert gemeinsam auf den Weg ins digitale Zeitalter.

Weiterbildung

In allen Bildungsbereichen werden Barrieren abgebaut und die Durchlässigkeit erhöht. Hamburg braucht alle Talente. Jede und jeder muss die Chance haben, die den individuellen Fähigkeiten und Begabungen entsprechende, bestmögliche Qualifizierung zu erwerben. Die Weiterbildung wird langfristig ausgebaut. Dazu sind vor allem die organisatorischen Voraussetzungen z.B. an den Hochschulen zu schaffen. Das bedeutet, dass Studienangebote auf neue Zielgruppen, wie z.B. Studierende im mittleren oder fortgeschrittenen Alter, ausgerichtet werden. Angebote zur individuellen Weiterqualifikation und zur Persönlichkeitsbildung, Angebote der allgemeinen wissenschaftlichen Weiterbildung werden immer bedeutsamer. Zahlreiche Weiterbildungsangebote können in Hamburg genutzt werden. Zu den Angeboten gehören die der Volkshochschule genauso wie die der Universität. Wir haben dafür gesorgt, dass es wieder ein Angebot für Erwachsene gibt, den Hauptschulabschluss nicht nur abends in der Abendschule nachzuholen, sondern auch Vollzeit tagsüber.

Download: SPD-Regierungsprogramm 2015-2020