Landesparteitag "Bildung" - Hamburger SPD bestreitet neue Wege in der Bildungspolitik
Die Hamburger SPD hat auf einem außerordentlichen Landesparteitag am 2. Dezember eine grundlegende Reform in der Bildungspolitik beschlossen.
Durch verschiedene Maßnahmen soll Hamburgs Bildungssystem vorangebracht werden:
- Bildung müsse vor der Schule beginnen. Kitas müssen zur ersten Stufe im Bildungssystem entwickelt werden.
- Kostenfreiheit des letzen Jahres vor der Schule.
- Ausbau von Ganztagsschulen.
- Abschaffung der Hauptschulen und Entwicklung von Stadtteilschulen mit direktem Zugang zum Abitur nach 13 Jahren.
- Schrittweise Verringerung der Zahl der Schulformen mit der Perspektive einer Schule für Alle begleitet durch eine regionale Schulentwicklung.
- Bessere Schulen durch mehr Selbstverantwortung der Schulen und klare Bildungsstandards.
- Anschlussperspektiven nach der Schule für alle Hamburgerinnen und Hamburger Jugendlichen.
- Ausbau statt Abbau von Studienplätzen in Hamburg
Die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten einigten sich in ihrem Leitantrag darauf, die vielen Schulformen in Hamburg zu reduzieren. Im ersten Schritt sollen dazu die klassischen Hauptschulen abgeschafft und durch integrierte Haupt- und Realschulen ersetzt werden.Die übrigen Schulformen wiederum sollen Schritt für Schritt in so genannte Stadtteilschulen zusammengeführt werden. Gymnasien werden, entgegen mancher im Vorfeld bekundeter Befürchtung, nicht abgeschafft. "Wir wollen die Gymnasien nicht abschaffen. Aber auch diese werden sich ändern müssen. Auch am Gymnasium darf eine Auslese, ein Wegdrücken von Problemen nicht mehr möglich sein. Stattdessen ist auch das Gymnasium verpflichtet, Kinder und Jugendliche individuell zu fördern" heißt es dazu in dem Leitantrag.Dieser Prozess wird durch eine regionale Schulentwicklung vor Ort begleitet.Teilhabe an FörderungIngo Egloff, der als Leiter der SPD-Arbeitsgruppe "Kluges Hamburg" den Leitantrag maßgeblich entwickelt hat, ergänzte in seiner Rede vor den Delegierten: "Wir wollen keine Schülerin und keinen Schüler auf dem Weg verlieren. Das Gymnasium wird sich nicht mehr wie bisher fast der Hälfte der Schüler entledigen können, die nach Klasse 4 dort hinwechseln. Im Moment erreichen von 50 Prozent eines Jahrgangs, die nach Klasse 4 aufs Gymnasium wechseln, nur 27 Prozent das Abitur. Wir wollen kein Sitzen bleiben und wir wollen kein Abschulen mehr".Dafür aber, erklärte Egloff weiter, müssten die Lehrer den geistigen Schwenk "vom bisherigen elitären Denken" schaffen. "Da müssen wir eng mit ihnen zusammenarbeiten“, fügte er hinzu.Der SPD-Landesvorsitzende Dr. Mathias Petersen forderte in diesem Zusammenhang in seiner Rede daher den Abbau "festgefahrener Überzeugungen": "Das Althergebrachte hat uns jedenfalls bei der Bildungspolitik nicht sehr weit vorangebracht", sagte er mit Blick auf das bisherige Schulsystem.Stadtteilschule für allePISA habe gezeigt, dass integrierte Systeme leistungsfähiger sein können, betonten zahlreiche Delegierte bei der Aussprache. Deshalb müsse es Ziel sozialdemokratischer Politik sein, "integrierte Systeme" voranzubringen, um im Bildungsbereich ein System des "längeren, gemeinsamen Lernens" zu verwirklichen.Britta Ernst erinnerte daran, dass dieser Prozess der Umsteuerung des Schulsystems zu einer "Schule für alle" jedoch etliche Jahre in Anspruch nehmen werde: "Die Veränderung von Schulstrukturen darf und kann nur im Einklang mit den Eltern geschehen. Deshalb ist es wichtig, einen großen Konsens anzustreben. Öffentliche Schulen müssen im Grundsatz von allen akzeptiert werden. Vertrauen in das öffentliche Schulwesen ist ein hohes Gut. Daher respektieren wir den Elternwillen. Die Hamburger SPD will zusammen mit den Eltern Hamburgs Schulen besser gestalten".Frühkindliche BildungDie neue Bildungsleitlinie der SPD sieht zudem kostenfreie Bildung bereits in Kindertagesstätten und Vorschulen im letzten Jahr vor der Grundschule vor. "Die Bildung muss schon vor der Grundschule beginnen", sagte Petersen. Er forderte zugleich eine neue Qualität der frühkindlichen Förderung. "Heute werden Lebensläufe beschädigt, weil diese frühkindliche Förderung bei uns mangelhaft ist oder völlig fehlt. Schon kleine Kinder werden aussortiert und abgestempelt."Grundschulen sollen mit flexiblen Eingangsstufen beginnen, die Kinder in der für sie individuell besten Zeit durchlaufen.Wo es möglich ist sollen Schulen und Kitas in "Quartiersbildungshäusern oder Bildungsgärten" zusammengefasst werden.Die Klassen an den Grundschulen müssen kleiner werden.Gute SchulenSchulen müssen auf der Grundlage klarer Bildungsstandards selbstverantwortet arbeiten. Der Unterricht muss sich mehr auf die Bedürfnisse der einzelnen Schülerinnen und Schüler einstellen: Mehr Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund, gezielte Förderung besonders begabter Kinder sowie Unterstützung von Kindern mit Förderbedarf.
Mehr Studierende an den Hochschulen
Die Delegierten verabschiedeten darüber hinaus einen Antrag zum Thema Hochschule. Demnach sollen deutlich mehr Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit erhalten, an eine der Hamburger Hochschulen zu studieren. In den vom CDU-Senat eingeführten Studiengebühren sehen die Sozialdemokraten dabei das größte Hindernis. "Die Gebühren müssen umgehend abgeschafft werden, um allen die Chance auf höhere Bildung zu ermöglichen", lautete auf dem außerordentlichen Parteitag die einhellige Forderung nach sozialer Gerechtigkeit an den Universitäten.
Angesichts des gegenwärtigen Zustands an Schulen und Hochschulen in der Hansestadt ließ die SPD auch Zukunftsvisionen einfließen. "Die Universitäten und die Arbeitgeber überall in der Republik reißen sich um die Absolventen Hamburger Schulen - weil deren Ausbildung und Abschlüsse so gut sind", beschrieb Petersen seine Vision für das Jahr 2020. "Hamburgs Hochschulen sind 2020 ein Magnet für Studenten und Hochschullehrer der ganzen Welt - weil Forschung und Lehre hier so vorbildlich sind", erklärte der SPD-Landesvorsitzende.
Leitantrag C1 (Kurzfassung, MS Word)
Leitantrag C2 (Langfassung, MS Word)

